Bericht

Abwechslungsreiche Fahrt durchs Vereinsjahr


Geldfragen interessierten sehr an der diesjährigen Mitgliederversammlung im Saal des «Restaurant Zoo» in Basel. Was mit der geerbten Liegenschaft geschehe, ob eine Nonprofitorganisation in Aktien investieren dürfe, wollten Mitglieder wissen. Die Versammlung zeigte einmal mehr: Die Kinderkrebshilfe Schweiz ist bestens «unterwegs». Dies illustrierte die Präsidentin der Kinderkrebshilfe Schweiz Lilian ­Baumann mit Vergleichen aus ihrem ehe­maligen Berufsfeld bei der SBB.

«Mein erstes Jahr als Präsidentin ist fast im Schnellzug an uns vorbeigerauscht», sagte Lilian einleitend. Aus dem Führerstand habe sie wundervolle Blicke in die Welt hinaus gehabt. Ab und zu sei die Fahrt zwar durch einen dunklen Tunnel gegangen, aber bald wieder ans Tageslicht gekommen. Die Aufgaben als Präsidentin hätten ihr Spass gemacht, sagte Lilian. Sie habe «super Zugbegleiter» an ihrer Seite gehabt. «Bei Birgitta kommen alle Züge zusammen», stellte Lilian die Geschäftsleiterin der Kinderkrebshilfe Schweiz vor. «Sie sorgt das ganze Jahr für eine sichere Fahrt auf dem schweizerischen Schienennetz und verliert nie den Überblick. Sie ist auch für Schweizer Pünktlichkeit und Exaktheit besorgt.» Die Vorstandsfrauen lobte die Präsidentin bei der anstehenden Wahl: «Diese Frauen sind mit viel Herzblut für euch alle im Einsatz und setzen sich für eine sichere Fahrt ein.» Nur mit einem Regionalzug bekomme man den Anschluss an den Schnellzug, lobte Lilian die Elterngruppen. Dank deren Kontakte zur Basis könne die Kinderkrebshilfe Schweiz lebendig unterwegs sein. Für den gleichbleibenden Mitgliederbetrag warb sie schliesslich erfolgreich mit den Worten: «Euer Zugsbillet für die Fahrt mit der Kinderkrebshilfe Schweiz wäre also weiterhin 25 Franken.» Dieses Billett zahlen derzeit 471 Familien (Vereinsmitglieder).

Erfreulicher Spendenfluss

Auch finanziell verläuft die Fahrt der Kinderkrebshilfe Schweiz reibungslos. Dies machte Sigi Meier, der Verantwortliche für die Buchführung, anhand der Jahresrechnung 2015 klar. Die Kinderkrebshilfe müsse fast kein Fundraising betreiben. «Das Geld kommt von alleine, wenn man so gut arbeitet und präsent ist an den richtigen Orten», sagte er.

Die Kinderkrebshilfe hat laut Sigi Meier im Jahr 2015 eine deutliche Zunahme der Bilanzsumme erzielen können. Dies vor allem, weil die geerbte Liegenschaft in Stallikon zum Marktwert von 760 000 Franken eingesetzt sei. Im Jahr 2014 war sie mit einem symbolischen Franken aufgeführt gewesen. Die Revisionsstelle Solidis Revisions AG habe auf diesen Wechsel bestanden.

Wegen der neuen Angabe fiel auch der Gewinn bei der Jahresrechnung 2015 höher aus. Bei einem allfälligen Verkauf der Liegenschaft werde ein erneuter Gewinn resultieren. Die Spenden fielen gegenüber dem Vorjahr um 150 000 Franken tiefer aus.
Durch die neue Liegenschaftsbewertung er­höhte sich das erarbeitete freie Kapital. Es lag 2015 auf 5,3 Millionen Franken. Gemäss Betriebsrechnung flossen im letzten Jahr insgesamt 2,8 Millionen Franken zu und 2,1 Millionen ab. Ende Jahr blieben 720 000 Franken Überschuss.

Geerbte Liegenschaft soll verkauft werden

«Was plant die Kinderkrebshilfe mit der Liegenschaft in Stallikon, die schon lange in eurem Besitz ist?», wollte ein Mitglied wissen. Es habe nach dem Tod des bisherigen Besitzers im Jahr 2010 über zwei Jahre gedauert, bis das Bezirksgericht Affoltern die Kinderkrebshilfe als rechtmässige Erbin auserkoren habe, erklärte Geschäftsleiterin Birgitta Setz die ­Verzögerung. Die Liegenschaft ist ein ehemaliger Landwirtschaftsbetrieb. Inzwischen hat die Kinderkrebshilfe einen Spezialisten mit dessen Verkauf beauftragt. Aktuell wird das Landwirtschaftsland vom Haus und der Remise abparzelliert. Für die Gebäude gibt es bereits mehrere Kaufinteressenten, fürs Landwirtschaftsland ebenfalls. Im Moment wird es an zwei Pächter verpachtet. «Die Kinderkrebshilfe hofft, dass alles innerhalb von 12 Monaten verkauft ist».
Erstmals gab Sigi Meier in der Jahresrechnung Angaben zur Geldanlage. Dies, um den Rechnungslegungsvorschriften Genüge zu leisten. 1,9 Millionen Franken wurden in Aktien und Obligationen angelegt, praktisch alles in Schweizer Franken, wie er gegenüber den Mitgliedern ausführte. Damit trage man den Kursrisiken Rechnung. Die Anlagen liegen bei der Bank Vontobel in Zürich und die Vermögensverwaltung erfolgt durch die Firma ­Winvest Asset Management AG in Hergiswil (NW).

Geld wird nach ethischen Aspekten angelegt

«Darf eine Nonprofitorganisation denn Spendengelder in Aktien anlegen?», fragte jemand aus dem Publikum. Ja, das entspreche den Rechnungslegungsvorschriften und sei zewo-konform, antwortete Meier. Die Kinderkrebshilfe beachte dabei die Richtlinien der Pensionskasse und berücksichtige ethische Aspekte. «In Waffenfirmen investieren wir nicht», so Sigi Meier.

«Stellt das viele brach liegende Geld der Kinderkrebshilfe nicht eine Gefahr dar?», war eine besorgte Frage. Er habe den Vorstand der Kinderkrebshilfe Schweiz mehrmals darauf hingewiesen, dass man das wachsende Kapital einsetzen müsse, um weiterhin als steuerbefreite Nonprofitorganisation zu gelten, antwortete der Wirtschaftprüfer und stellte fest: «Im letzten Jahr kam mit der Gründung der Dachorganisation Kinderkrebs Schweiz der Wendepunkt». Seither setzt die Kinderkrebshilfe Schweiz dafür Geld ein, ebenso wie für das Schweizer Kinderkrebsregister, die Schweizerische Pädiatrische Onkologie Gruppe (SPOG), die Reha-Klinik Katharinenhöhe und das Mentorenprojekt. Der Verein habe mit dem zufliessenden Geld seine Tätigkeit erweitert, und dies im Rahmen des Vereinszwecks, betonte er.
Das Budget 2016 sieht einen Ausgabenüberschuss von 213 000 Franken vor. Das sei keineswegs dramatisch angesichts eines Vermögens von 5 Millionen Franken. Gemäss Budget erhalten vor allem die SPOG und die Survivors im laufenden Jahr deutlich mehr Geld von der Kinderkrebshilfe: die SPOG 300 000 Franken statt wie bisher 150 000 Franken, die Survivors 170 000 Franken für diverse grosse Projekte. «Wir planen, Leistung zu erbringen und nicht zu sparen», resümierte Meier. Es könne durchaus sein, dass per Ende Jahr statt einem Ausgabenüberschuss ein Einnahmeüberschuss resultiere.

Spenden und Legate sind schwierig zu budgetieren, wie Sigi Meier zugab. Die 250 000 Franken für Legate wurden denn auch von einem Zuhörer in Frage gestellt. Er forderte in einem Abänderungsantrag, diesen Betrag auf Null zu setzen, bekam in der Abstimmung dafür aber nur die Stimme seines Sitznachbarn.

Eine Zuhörerin regte an, die Kinderkrebshilfe Schweiz solle ihren Elterngruppen mehr Geld zur Verfügung stellen, damit sie weitere Aktivitäten anpacken könnten. Die Situation sei anders, befand Sigi Meier. Die Elterngruppen würden sogar Geld in die nationale Organisation geben, das sie nicht selbst benötigten. Die Elterngruppe Ostschweiz hat im letzten Jahr der nationalen Organisation dank erfolgreicher Benefizanlässe 82 000 Franken überwiesen und damit Aktivitäten sowie die Unterstützung von Familien aus der Ostschweiz mitfinanziert, wie Präsidentin Lilian Baumann darlegte. Habe eine Elterngruppe aber einen finanziellen Engpass, helfe die Kinderkrebshilfe diskussionslos. Dies bestätigte eine Vertreterin der Elterngruppe Bern auch gleich.
Nach einstimmigem «Ja» zur revidierten Jahresrechnung 2015 und zum Budget 2016 dankte Isabelle Lamontagne, Geschäftsführerin der SPOG, den Anwesenden für ihre grosszügige Unterstützung und versicherte, das Geld fliesse ausschliesslich in die Kinderkrebsforschung. Die SPOG müsse die Hälfte ihrer budgetierten Ausgaben von 1,8 Millionen Franken mittels Fundraising reinholen und begebe sich dadurch in Abhängigkeiten, erklärte sie. «Es gibt keine schönere Abhängigkeit als jene von euch», sagte sie sichtlich bewegt. Verena ­Pfeiffer, Koordinatorin des Schweizerischen Kinderkrebsregisters, bedankte sich für die diesmal etwas teurere Unterstützung. Der Grund dafür sei die Tagung zur 40-Jahr-Feier des Kinderkrebsregisters am 8. und 9. September in Bern. Dazu seien auch Survivors und ihre Eltern eingeladen, so Verena. Auch Peter Lack von der Dachorganisation Kinderkrebs Schweiz dankte in seiner Rede herzlich für das Vertrauen der Anwesenden und die Unterstützung durch die Kinderkrebshilfe Schweiz.

Ausgaben der Familien sind gestiegen

«Ein wichtiges Ziel unserer Arbeit ist die finanzielle Hilfe», sagte die Geschäftsleiterin in ihrem Jahresbericht. «Hoppla, da ist etwas gegangen», habe sie gedacht, als sie die entsprechende Grafik gesehen habe. Ihr Fazit: Die Ausgaben, die die Familien zu tragen haben, sind massiv gestiegen. 2015 behandelte der Vorstand 206 Gesuche und bewilligte rund 640 000 Franken. Im Vorjahr wurden 188 Gesuche zu insgesamt 492 000 Franken gutgeheissen. Die Anzahl der Gesuche variiert laut Birgitta Setz von Jahr zu Jahr und ist abhängig von der Anzahl der Onkologie-Patienten eines Kinderspitals. 2015 stand Aarau mit 58 Gesuchen zu total 173 000 Franken an der Spitze der Gesuchsteller, 2014 Bern mit 63 Gesuchen zu 166 000 Franken. Die meisten Forderungen für die vom Sozialdienst gestellten Gesuche betrafen die hohen Auslagen für die Reisekosten.

Zugenommen haben aber auch die Unterstützungsleistungen im Bereich der Nachsorge. Im letzten Jahr verbrachten acht Familien und neun Jugendliche in der Reha-Klinik Katharinenhöhe oder in der Nachsorgeklinik von Tannheim einen vierwöchigen Aufenthalt.
Im Bereich Ferien und Aktivitäten organisierte die Kinderkrebshilfe Schweiz 21 Anlässe. 1066 Personen nahmen daran teil und es wurden 2400 freiwillige Stunden geleistet.
Birgitta Setz präsentierte ein Potpourri verschiedenster Aktionen, die zu erfreulichen Spenden führten. Da war der Auftritt von Präsidentin Lilian Baumann mit dem Desperate Housewife im Designer-Outlet in Landquart, der Benefiz-Schlagerabend in Baar, der wiederholte Kalenderverkauf der Firma bofrost, die fortgesetzte Aktion «Lichtblicke» des Detailhändlers Spar Handels AG und die neue CD «Es Schnüerli drum» von Samichlous & Schmutzli.

Mentoren  brennen auf Einsatz

Ein absolutes Highlight, so Birgitta Setz, war am 15. Februar 2015 die Lancierung des Dachverbands Kinderkrebs Schweiz, die für Kinderkrebs engagierte Organisationen unter ein Dach brachten. Und sie erwähnte die Aktion Mutperlen, das Gleitschirmfliegen und das Mentoringprojekt. «20 Mentorinnen und Mentoren brennen darauf, zum Einsatz zu kommen», sagte die Geschäftsführerin und rief die Familien dazu auf, ihr allfälliges Interesse an einem Besuch zu melden.
Anstelle einer Jahrestagung lädt die Kinderkrebshilfe am kommenden 11. November zu einer Besichtigung des Paul-Scherrer-Instituts in Villigen (AG). Es werde Referate zu dort angebotenen Therapien geben, eine Führung durch die Behandlungsräume und ein Abendessen, so Birgitta. Für den folgenden Tag, den 12. November, plant die Dachorganisation Kinderkrebs Schweiz die allererste Survivor-Tagung im Seminarhotel Sepachersee in Nottwil (LU).
Die Tagung sei das Ergebnis der Gespräche mit Survivorn, erklärte Peter Lack, Geschäftsführer von Kinderkrebs Schweiz. Sie thematisiere Spätfolgen, den Survivorship-Passport und sozialrechtliche Fragen. Er stellte den anwesenden Mitgliedern der Kinderkrebshilfe Schweiz die Kinderkrebs-Website vor. Da sollten fortan alle Informationen der Mitgliederorganisationen etwa zu Terminen,  zur Nachsorge und Forschung zusammengeführt werden. Dank der Dachorganisation intensiviert sich die Zusammenarbeit der Mitglied-Organisationen. Laut Peter treffen sie sich nun vier- bis fünfmal pro Jahr und entwickeln gemeinsame Projekte.

Suivinet-Plattform bündelt Informationen

Peter Lack hob besonders das Nachsorgeprojekt «Informationsplattform Suivinet» hervor, das die Dachorganisation von der Kinderkrebshilfe übernommen hat. Inzwischen sind auf der Webplattform Informationen über die häufigsten Kinderkrebserkrankungen sowie wissenschaftlich fundierte Nachsorgeempfehlungen zu lesen. «Damit können Survivor zum Arzt gehen, wenn etwas bei ihnen auftritt», sagte Peter. In der Umsetzungsphase befindet sich der Survivorship-Passport. «Wir von Kinderkrebs Schweiz haben uns zum Ziel gesetzt, bis 2018 den Survivorship-Passport in allen ­Kinderspitälern der Schweiz einzuführen», sagte Peter. Die Dachorganisation wird dabei von der Schweizerischen Pediatrischen Onkologie Gruppe (SPOG) unterstützt. Das Ziel: Jeder Kinderkrebspatient soll künftig am Ende der Therapie bei Spitalaustritt einen Survivorship-Passport erhalten. Darin sind alle Behandlungen notiert, die der Patient erhalten hat, sowie individualisierte Nachsorgeempfehlungen.
Als weiteres interessantes Nachsorgeprojekt plant Kinderkrebs Schweiz gemeinsam mit Professorin Gisela Michel von der Universität Luzern und dem Schweizer Kinderkrebsregister eine Studie über die psychosozialen Bedürfnisse von Survivorn.
Die Wahlen bzw. Wiederwahlen der Vorstandsfrauen verliefen im historischen, frisch renovierten Sitzungs-Saal des Basler Zoo's reibungslos. Vizepräsidentin Bea Marti kenne den Fahrplan der Kinderkrebshilfe Schweiz seit vielen Jahren, sagte die Präsidentin anerkennend. Sie sei auch froh, dass Chantal Beeler, welche vor kurzem zur Präsidentin der Kinderkrebshilfe Zentralschweiz gewählt wurde, weiterhin im Führerstand der Kinderkrebshilfe Schweiz mitwirke. Der bisherigen «Trittbrettfahrerin», Sandra Hofer von der Elterngruppe Bern, wünschte Lilian eine gute Weiterfahrt «mit uns allen» und mit Esther Mähr von der Elterngruppe Ostschweiz erhofft sie sich kurzweilige Fahrten an die Sitzungen nach Olten.
Die Vorstandsfrauen und regionalen Elterngruppen wurden mit Ostersüssigkeiten verdankt und die Geschäftsstelle als «unser Herz» gelobt, weil sie alle herzlich empfange, wie Bea Marti sagte. Lilian erhielt ein Adapterset, damit sie auf ihren Auslandreisen zugunsten der Kinderkrebshilfe immer gut erreichbar bleibt.

Die letzten zehn Minuten der Mitgliederversammlung waren mit gedämpftem Stimmengewirr hinterlegt. Die Kinder hatten ihren Rundgang durch den Basler Zoo bereits beendet und warteten auf ihre Eltern. «Der Elefant tanzte und die Giraffe war riesig», erklärte Manòlis der Journalistin mit grossen Augen und Gesten. Livia fand das Känguru und ihre Schwester Aline einen kleinen Totenkopfaffen herzig. Mehr wollten sie nicht sagen; das Spaghetti-Buffet im Saal neben dem Foyer war allzu verlockend. Bald sass eine bunt gemischte Gesellschaft von Erwachsenen und Kindern vor vollen Salat- und Spaghetti-Tellern.

Regula Pfeifer

 

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